Winzerportrait
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Steil nach oben!

Selbstverständlich ist auch im kleinen Lorcher Familienweingut Mohr Riesling die Königin – doch der Hofstaat anderer Rebsorten wird immer interessanter!

Vier Generationen, bald 140 Jahre Weinbau bei Familie Mohr: Mittlerweile sind es sechs Hektar Weinbergslagen, die man am westlichen Zipfel des Rheingaus bewirtschaftet. Hier ist alles steil, die Arbeit hart und langwierig, aber das Ergebnis jeder Mühe wert. So stehen die Rebstöcke in perfektem Winkel zum Rhein, der hier ganz eng zwischen hoch aufsteigenden Felsen fließt und nachts dafür sorgt, dass die tagsüber erwärmten Schieferböden nicht auskühlen. Eine Bilderbuchlandschaft für Romantiker und natürlich für Weinfreunde, die bei den Mohrs im Sommer eine Straußenwirtschaft vorfinden, wie sie dem Lagenwanderer nach langer Strecke nur allzu willkommen ist.



Riesling – und mehr!



Große Erträge lassen sich in den Lorcher und Assmannshäuser Steillagen kaum erwirtschaften, doch das ist auch nicht die Absicht von Jochen Neher und seiner Frau Saynur, die für die aktuelle Generation Nummer vier im Weingut stehen. Dichte, komplexe Weine voller Frucht und mit lang anhaltendem Finale, die schon jung gefallen, aber nach ein paar Jahren Reifezeit erst zu Hochform auflaufen, sind vielmehr das Ziel der Arbeit eines Jahres, und das wird hier so, wie es das jeweilige Wetter zugelassen hat, auf die Flasche gebracht. Riesling steht an erster Stelle, doch schon früh hat man sich im Weingut Mohr auch anderen Sorten zugewandt, die früher im Rheingau eine wichtige Rolle spielten. So ist etwa der grüne Silvaner eine ausgezeichnete Ergänzung zum säurebetonten Riesling, Scheurebe macht sich auch in Lorcher Steillagen bestens und der seit 1997 von Jochen Neher gepflanzte Weißburgunder hat mit seiner erfrischenden und unkomplizierten Art schnell viele Freunde gefunden. Neher ließ sich hierbei von Praktika in Kalifornien und Neuseeland inspirieren – Weißburgunder ist ebenfalls eher säurearm und lässt sich auch gut im Barrique ausbauen, was ihm zusätzlichen Körper und Reifepotential verleiht.  Schließlich finden sich in Nehers Weinbergen auch noch ein paar Stöcke gelber Muskateller. Viel zu wenige, denn von diesem expressiven Tropfen mit seinem faszinierenden Aromenspektrum gibt es kaum 400 Flaschen pro Jahr, die denn auch streng kontingentiert werden.



Der Assmannshäuser Höllenberg ...



... sollte eigentlich eher Himmelspforte heißen, so zart und dennoch einzigartig würzig sind die hier entstehenden Spätburgunder. Doch im Hochsommer brät die Sonne  förmlich jeden Wanderer, der die steilen Schleifen des Weges durch den Schieferweinberg nach oben wandert – höllisch heiß! Auch hier hat das Weingut Mohr einen Anteil an den besten Parzellen und bringt einen Rotwein auf die Flasche, der den Charakter dieser einzigartigen Lage hundertprozentig widerspiegelt. Feinster Duft von Cassis, seidige Textur und tiefgründige, lang anhaltende Aromen von Pfeffer, Minze oder eine dezente Rauchnote machen den Höllenberg zu einem ganz besonderen Weinerlebnis. Wer es nicht ganz so intellektuell mag, der genießt den Blanc de Noir, ein Weißwein, der zu 100\% aus Spätburgundertrauben gekeltert wird, die keinen längeren Kontakt zur Beerenhaut hatten – das Resultat ist ein goldgelber, süffiger Wein, der perfekt mit Fisch im Kräutermantel oder Pasta harmoniert. Wie wenig man im Weingut Mohr auf traditionelle Scheuklappen gibt, zeigt sich schließlich beim Blanc de Blancs: Die duftige, vielseitige Cuvee aus 30\% Muskateller, 20\% Weißburgunder, 20\% Riesling und 30\% Silvaner ist alles andere als typisch Rheingau – und schmeckt genau wie die Zukunft dieser wunderschönen Region!

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